Kolleg St. Blasien

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Neue Juristische Wochenschrift vom Donnerstag, 19. Februar 2009

 

75 Jahre Jesuitenkolleg in Sankt Blasien

 

Die renommierte Jesuitenschule ist ein privates, staatlich anerkanntes Gymnasium mit Internat für Jungen und Mädchen im Südschwarzwald. Es orientiert sich an den Bildungsplänen des Landes Baden-Württemberg, bietet aber eine Vielfalt schulischer und außerschulischer Möglichkeiten, die weit über die staatlichen Standards hinausgehen. Im Mittelpunkt steht eine umfassende Bildung und ganzheitliche Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Das international ausgerichtete Jesuitengymnasium bietet in vielerlei Hinsicht optimale Lernbedingungen.

Das Kolleg St. Blasien feiert 2009 sein 75-jähriges Bestehen und blickt auf eine erfolgreiche Entwicklung zurück. Seit mehr als 1000 Jahren ist St. Blasien ein Ort christlicher Bildung und Lebenskultur: Das eindrucksvolle Gebäude, einst ein bedeutendes Benediktinerkloster, beherbergt seit 75 Jahren das traditionsreiche Jesuitenkolleg. Seit 1934 unterrichten Jesuiten am Kolleg St. Blasien in den ehrwürdigen Räumen des ehemaligen Klosters. Doch die Geschichte der renommierten Internatsschule reicht weit in die Vergangenheit. Sie beginnt im schweizerischen Fribourg, wo Petrus Canisius 1596 das St. Michaelskolleg gründete, das nach einer wechselvollen Geschichte und dem Umzug ins österreichische Feldkirch heute in St. Blasien weiterlebt.

Ostern 1934 begann ohne Pomp das neue Schuljahr im neuen Kolleg im Schwarzwald. Es waren die gleichen Lehrer und Schüler. Man versuchte, auch im neuen Kolleg den Idealen der jesuitischen Erziehungstradition treu zu bleiben, was aber zunehmend zu Konflikten mit der nationalsozialistischen Partei führte. Die dreißiger Jahre waren eine dramatische Spannung zwischen Anpassung und Widerstand. Nur fünf Jahre nach der Schuleröffnung wurde das Kolleg von den Machthabern aufgelöst, "da die Voraussetzungen, unter denen die Genehmigung erteilt wurde, nicht mehr als gegeben anzusehen sind". Die Schließung macht deutlich, dass eine am christlichen Menschenbild orientierte Erziehung neben den totalitären Ansprüchen einer Partei keinen Platz haben konnte. Die frühen Jahre Sankt Blasiens sind eng mit der Geschichte des katholischen Widerstands im Dritten Reich verbunden. Es gibt wahrscheinlich nur wenige Schulen in Deutschland, wo Menschen so entschieden gegen die Diktatur eingetreten sind und ihren Widerstand mit dem Leben bezahlt haben.

Seit 1934 wehrten sich die Jesuitenpatres von St. Blasien gegen die nationalsozialistische Ideologie. Dafür stehen die Jesuiten Alfred Delp SJ (Erzieher am Kolleg) und Alois Grimm (Lehrer am Kolleg), die wegen ihres Glaubens und
ihrer Ordensmitgliedschaft hingerichtet wurden.

Am 1. Mai 1946 haben die Jesuiten unter schwierigsten Bedingungen wieder neu mit ihrer pädagogischen Arbeit begonnen. 1977 bedrohte eine große Brandkatastrophe erneut die Existenz des Kollegs. Außerordentliches Engagement vieler am Kolleg Interessierter ermöglichte den Wiederaufbau; es brachte auch ganz neue Impulse in Schule und Internat. 1989 wurde neben dem Jungeninternat ein Mädcheninternat eröffnet. Seit Jahren ist das Internat mit rund 210 Jungen und etwa 130 Mädchen in seiner Entwicklung stabil. Die Zahl der externen Schüler ist in den letzten Jahren stetig auf 565 Kollegianer gestiegen. Die Internatsschüler kommen heute aus 22 Ländern, zahlreiche aus den europäischen Nachbarländern, etliche auch aus China.

Grundlage für die Erziehung bildet das christliche Menschenbild sowie die geistlichen und pädagogischen Traditionen des Jesuitenordens, der seit bald 500 Jahren Erfahrung mit Schulen besitzt. Trotz der im Vergleich sehr guten akademischen Ergebnisse und der hohen Anforderungen gilt am Kolleg: Bildung ist mehr als Ausbildung. Der Einzelne soll sich in besonderer Weise anerkannt, gefördert und gefordert wissen ("cura personalis"), und er soll seinen Beitrag leisten für eine Gesellschaft, die sich der Gerechtigkeit verpflichtet weiß. Es geht um Wissen, aber ebenso um Gewissen und Mitgefühl: "Menschen für andere" lautet das Ziel jesuitischer Erziehung. Das neue "Zentrum für individuelle Begabungsförderung" hat im Sommer 2008 seine Arbeit am Kolleg aufgenommen. Es soll sich zu einem Ort des Gesprächs und der Beratung über Begabungen, Lernen und Fördern entwickeln. Ziel ist es, auf diese Weise im Sinne der "cura personalis" die individuelle Entfaltung von Stärken und Interessen ebenso wie die Bearbeitung von Schwierigkeiten zu unterstützen. Das Zentrum steht allen Schülern und Lehrern am Kolleg offen.

Die weithin sichtbare Mitte des Kollegsgebäudes ist der Dom - die geistliche Mitte des Kollegslebens ist der christliche Glauben. Das Schulgebet am Morgen, der Sonntagsgottesdienst, der Religionsunterricht und die Besinnungstage sind zentrale Elemente an der katholischen Schule. Religiöse Bildung und Erziehung wird nicht als zusätzliches Unterrichtsfach verstanden, sondern soll in der Alltagskultur gelebt werden. Am Kolleg St. Blasien werden Schüler aller Glaubensrichtungen aufgenommen.

 

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