Kolleg St. Blasien

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Katholische SonntagsZeitung vom Samstag, 16.05.2009

 

Tradition und Innovation

 

Katholisches Elite-Kolleg St. Blasien besteht seit 75 Jahren

Es ist ein ungewöhnlicher Ort hinter jahrhundertealten Klostermauern. Eine Schule, wo eine Griechischklasse nur aus drei Schülern besteht, und wo 15-Jährige im Chinesisch-Unterricht von einer Managerzukunft träumen. Das Kolleg Sankt Blasien, gelegen in einem versteckten Tal im Südschwarzwald, ist ein Flaggschiff katholischer Schulen in Deutschland. Adel und Eliten schicken ihre Zöglinge hierher, auf der Suche nach umfassender Bildung, gespeist aus christlichen Werten.

An Pfingsten feiert das Kolleg sein 75-jähriges Bestehen - und schöpft gleichzeitig aus einer fast 500-jährigen Bildungstradition des Jesuiten-Ordens, der das Privatinternat bis heute prägt. Rund 900 Schüler besuchen die Schule, 340 von ihnen leben im nach strengen Regeln geführten Internat.

Schon seit längerem hat die Schule mehr Anmeldeanträge als zu vergebende Plätze - sowohl für das Internat als auch für die regulären Plätze. "Uns ist es wichtig, diese beiden Standbeine zu haben", sagt Kollegsdirektor Johannes Siebner. Einerseits kokettiert er mit dem Status der Eliteschule - "Wir sind stolz auf unseren guten Ruf!" - andererseits wird er rasch ernst, wenn er von der Ausstrahlung der Jesuitenschule in die ländliche Region rund um das Schwarzwaldnest Sankt Blasien erzählt. "Wir tun alles, um jeden unserer Schüler mitzunehmen und ihn in der für ihn richtigen Weise zu fördern und zu unterstützen."

Ein zentrales Credo des agilen Jesuiten ist es dabei, seine Schüler vor einer gesellschaftlichen Instrumentalisierung zu schützen. Die Erwartungen, mit denen Politik, Wirtschaft, und selbst die Kirchen an Schule herantreten, seien in den vergangenen Jahren ins Unermessliche gestiegen und zu einer enormen Belastung für Eltern, Schüler und den Schulbetrieb selbst geworden, sagt der Kollegsdirektor. Schulen sollten Familienersatz, Freizeitgestalter, Wertevermittler oder Kaderschmiede wirtschaftlicher Eliten sein.

"Wir müssen diesen Ballast beiseite lassen, Schule nicht so wichtig nehmen und endlich Bildung allein für die Kinder und Jugendlichen machen, und uns dies auch etwas kosten lassen. Nicht, weil wir Kinder als künftige Stützen der Gesellschaft brauchen, sondern weil sie jetzt bedingungslos liebenswert sind." Gott in allen Dingen sehen, so nannte der Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola diese Haltung.

Wichtig ist der Schule der Religionsunterricht und das Einüben religiö­ser Alltagspraxis. Ein Schulseelsorger bietet Einzelgespräche und Exerzitien an. "Schulische Bildung soll nicht nur intellektuell, sondern ganzheitlich schöpferisch sein, das ist während meiner gesamten Lehrerlaufbahn meine Grund­hal­tung gewesen", sagt Pater Peter Leutenstorfer, der auch noch im Pensionsal­ter Griechischunterricht gibt. Nach dem Zweiten Weltkrieg zählte er selbst zum ersten Abiturjahrgang.

Heute erlebt Sankt Blasien einen Boom, obwohl sich oft nur ausgewählte Familien einen der begehrten Internatsplätze leisten können. 1.250 Euro kostet der pro Monat. Für Tagesschüler sind es 120 Euro. Direktor Siebner hat deswegen konkrete Pläne für die Zukunft: "Mein Ziel ist es, unser Stipendien-System weiter auszubauen."

 

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