Kolleg St. Blasien

Presse - Archiv

 

Badische Zeitung vom Samstag, 30. Mai 2009

 

Christliche Werte und ein Heidenspaß

 

ST. BLASIEN. Wenn das Kolleg am Pfingstwochenende sein 75. Jubiläum feiert, werden auch Ehemalige dabei sein. "Wir waren eine verschworene Gemeinschaft", erzählt Norbert Nothhelfer, ehemaliger Regierungspräsident von Freiburg und Schirmherr des Jubiläums. Als er das Kolleg von 1948 bis 1952 besuchte, lagen 20 Jungs in einem Schlafsaal, gab es für Hygiene nur Waschschüsseln. In Sachen Disziplin und Gehorsam herrschte ein strenges Regiment. Trotzdem: Seine Zeit am Kolleg möchte Nothhelfer nie missen. Viele Freundschaften, die er damals schloss, haben bis heute Bestand - weil die Kontakte durch die Lebensgemeinschaft so intensiv waren, sagt er.

Disziplin ist im Kolleg noch immer wichtig. Wecken um 6.30 Uhr, Schule von 7.35 bis 12.45 Uhr, Studium von 16 bis 18.20 Uhr. Montags, dienstags und donnerstags ist ein Abendstudium vorgeschrieben, Schule an sechs Tagen die Woche, das nachmittägliche Studium jeden Tag Pflicht. Auch bei den Freizeitaktivitäten ist "rumhängen" nicht angesagt. Es wird verlangt, dass sich die Schüler an außerschulischen Angeboten beteiligen. Die Liste ist so lang, dass sie einen Volkshochschulprospekt füllen könnte. Es gibt ein breites musikpädagogisches und Musizierangebot, Sprach- und Sportkurse, auch in entlegenen Disziplinen wie Rugby, Bogenschießen und Einradfahren, das Kollegsfernsehen, die Schülerzeitung, viele kulturelle Arbeitskreise.

Einen hohen Stellenwert hat das Schultheater. Das fußt auf einer langen Tradition. Vom 16. bis über die Hälfte des 18. Jahrhunderts hinaus produzierten Jesuiten-Patres opulente Inszenierungen kirchengeschichtlicher Sujets, die in katholischen Städten ein Riesenpublikum anzogen. Für die Nachfahren der jesuitischen Theatermacher, die jungen Darsteller der Theater-AG und ihren Regisseur Meinrad Emmerich, dreht sich seit Wochen die gesamte Freizeit um die Pfingsttheateraufführung von Shakespeares "Romeo und Julia". Der künstlerische Anspruch ist hoch. Ein großes Publikum ist garantiert, denn zu Pfingsten hat das Kolleg die Familien, Altschüler und die Öffentlichkeit zu Besuch. Die Pfingsttage sind das Schaufenster der Schule - zumal im Jubiläumsjahr. Die Karten sind bereits vergriffen.

Trotz aller weltlichen Aktivitäten ist die Verwurzelung in der christlichen Tradition im Kollegsleben allgegenwärtig. Ein Schulgebet eröffnet jeden Tag; es gibt religiöse Angebote rund ums Jahr, etwa die Abiturexerzitien oder die Morgenmeditation zur Fastenzeit. "Glauben lässt sich nicht verordnen - das wissen und respektieren wir. Wer sich aber vom Religionsunterricht abmeldet, meldet sich vom Kolleg ab. Um die Auseinandersetzung mit dem Glauben kommt bei uns keiner herum", sagt Kollegsdirektor Pater Johannes Siebner. Das jesuitische Erziehungsmotto "Menschen für andere" bleibt keine Theorie. Die Schüler engagieren sich in der Altenarbeit, als Ministranten, bei Amnesty International; dreiwöchige Sozialpraktika sind für alle Elftklässler Pflicht.

Den christlich geprägten Wertekompass mit einer starken Betonung auf den Dienst für die Allgemeinheit hat auch Norbert Nothhelfer aus seiner Schulzeit ins Leben mitgenommen: "Was man am Kolleg bekommt, muss wieder zurückgegeben werden an die Gesellschaft" habe ein Grundsatz gelautet. Und das tut es heute noch.

Über die Jubiläumsveranstaltungen des Kollegs berichtet das SWR-Fernsehen am Sonntagabend in der Sendung "Baden-Württemberg aktuell".

 

Sitemap | Kontakt