Kolleg St. Blasien

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Badische Zeitung vom Samstag, 18. April 2009

 

Vor 75 Jahren öffnete das Kolleg

 

ST. BLASIEN. Heute genau vor 75 Jahren, am 18. April 1934, hat das Kolleg St. Blasien seine Tore geöffnet und an diesem Tag, es war ein Mittwoch, wurde mit dem Schulbetrieb begonnen. Es war der Anfang einer neuen Epoche für die Stadt St. Blasien und für die ganze Raumschaft.

Ein halbes Jahr zuvor konnte der Jesuitenorden den in Konkurs geratenen Spinne-reibetrieb St. Blasien erwerben. 800 Jahre war das Benediktinerkloster St. Blasien der kulturelle und wirtschaftliche Mittelpunkt des Albtales. Mit der Säkularisation wurde es aufgehoben und in den Räumen, in denen zuvor Mönche arbeiteten und beteten, wurden einige Fabriken eingerichtet. In den letzten Jahrzehnten war das eine Spinnerei.

Nun wurde aus dem einstigen Kloster und der darauf folgenden Fabrik eine Schule mit Internat. Es waren große Anstrengungen und ein viel Organisationstalent notwendig, um in wenigen Monaten die umfangreichen Umbaumaßnahmen zu bewältigen. Nun war es also soweit. "Ohne Pomp beginnen am 18. April wie üblich rund 300 Schüler, davon 190 aus der alten Stella in Feldkirch das neue Schuljahr im neuen Kolleg" so schrieb Pater Josef Adamek.

Bei dem feierlichen Gottesdienst in der Kuppelkirche des heiligen Blasius stellte sich Pater Viktor Hugger als der erste Kollegsdirektor vor. In seiner Ansprache bedankte er sich bei den Bürgern der Gemeinde St. Blasien für die freundliche Aufnahme und die vielfältige Unterstützung durch die Stadtverwaltung. Erstmals wird in der Kirche das Lied "Stella matutina, hehre Himmelskönigin, führst den Sternenreigen über diese Erde hin" gesungen. Diese Kollegshymne oder auch Stellahymne erklang später immer wieder bei feierlichen Anlässen des Kollegs. Der Name "Stella matutina" wurde aber für das Kolleg nicht übernommen, er blieb der Schule von Feldkirch erhalten. Die neue Schule im Schwarzwald heißt "Kolleg St. Blasien". Einige Wochen nach dieser Eröffnung, am 21. Mai 1934, war die feierliche Weihe durch den Erzbischof von Freiburg, Conrad Gröber. Nach dem Gottesdienst hielt der Bischof eine Rede auf dem Domplatz, er brachte seiner Freude Ausdruck über die Gründung der neuen Schule, er verhehlte aber nicht, dass er sich Sorgen mache über die politische Entwicklung im Lande. Der erste Rektor Viktor Hugger wurde am 11. Juli 1876 in Rottenburg am Neckar geboren. Nach seiner Schul- und Studienzeit in Tübingen und Rottenburg wurde er am 22. Mai 1899 zum Priester geweiht und am 1. Oktober 1900 ist er dem Jesuitenorden beigetreten. Im Oktober 1919, in einer Zeit in der die Wogen der Revolution noch hoch gingen, fand in München ein Diözesankatholikentag statt. Bei diesem Anlass kam es zu einer Versammlung katholischer Lehrer. Im Mittelpunkt stand eine Ansprache von dem Professor an der Schule "Stella matutina" in Feldkirch, Viktor Hugger. Dieser Vortrag hat bei den Lehrern aber auch bei seinen Vorgesetzten einen großen Eindruck hinterlassen. Viktor Hugger wurde nach München berufen, er übernahm dort ein weites Wirkungsfeld, dazu gehörten die Mitarbeit in der katholischen Schulorganisation und den katholischen Lehrervereinigungen, vor allem aber war er Präses der Münchner Lehrerinnenorganisation. Von 1920 bis 1932 hatte er das Amt des Leiters dieser Kongregation inne und von 1927 bis 1932 war er auch Präses der Lehrerinnenkongregation in Augsburg.

1934 wurde ihm die Leitung des Kollegs St. Blasien übertragen. Später ging dann Viktor Hugger nach Brig (Wallis). Am 14. März 1945 starb er nach langer Krankheit in Brig. Auf dem dortigen Friedhof des Ursulinenklosters wurde er beigesetzt.

 

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