Kolleg St. Blasien

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Badische Zeitung vom Dienstag, 31. März 2009

 

Musikerstars danken ihrer Schule

 

ST. BLASIEN. Verbundenheit, "vielleicht auch Dankbarkeit" gegenüber seiner Schule sei der Grund für ein Benefizkonzert zugunsten der neuen Sportanlage am Kolleg St. Blasien, bekannte Kollegsdirektor Pater Johannes Siebner in seiner Ansprache zum Auftakt eines großen Konzertabends. Ehemalige Abiturienten der zurückliegenden 38 Jahre boten zum 75-jährigen Bestehen des Kollegs musikalische Aussagen voller Reife und Schönheit.

Dr. med. Michael Ehret konzertierte an der Orgel, die sein Vater Hubert Ehret innerhalb seiner 36 Jahre währenden Lehrtätigkeit am Kolleg konzipiert hatte. Michael Ehrets Geschwister Johannes (Violoncello) und Verena (Violine) haben ebenso wie ihr Bruder trotz großer Begabung die Musik nicht zum Beruf gemacht. Ihr Duett op. 39 von Reinhold Glière (1875-1956) war gleichwohl professionell. Zur reifen Technik trat musikalische Leidenschaft, die das Stück des Vogtländers Glière mit Wahlheimat in Kiew zum Leben erweckte: Im Spiel von Verena und Johannes Ehret lagen die Farben und Stimmungen mehrerer Kulturen.

Musikalische Professionalität hat nichts mit dem Lebensunterhalt zu tun, vielmehr mit innerer Leidenschaft und Einsatz. Eltern und Schule legen die Wurzeln, was daraus wächst, bestimmen die Kinder. Dass eine Schule solche Qualitäten fördern kann, dafür stand in diesem Konzert auch die Kollegschülerin Yingtao Gu. In Klosterkonzerten unterstützt sie seit Jahren die Pianisten, zur Zeit schreibt sie Abitur. Im Benefizkonzert interpretierte sie auswendig wie ein professioneller Pianist Prélude Nr. 5 g-Moll von Sergej Rachmaninow. Interpretierte es mit der Leidenschaft der Jugend, die diesem Stück hervorragend stand.

Clemens Losch (Trompete), Cathrin Kudelka (Violine) und Florence Sitruk (Harfe) sind die in aller Welt konzertierenden Berufsmusiker mit St. Blasier Kollegsausbildung. Ihre Konzertbeiträge verliehen Gedanken Flügel. Für den ersten Satz der Sonate für Violine und Klavier Es-Dur op. 18 von Richard Strauss (1864-1949) hatte Cathrin Kudelka Carl Wolf als Klavierbegleiter mitgebracht. Das Konzert beschloss sie im Duett mit Florence Sitruk, Harfe, in der Fantasie op.124 für Violine und Harfe von Camille Saint-Saëns. Beide Frauen ließen ihr großes Verständnis für die Stimmführung ihres je eigenen Instruments und gleichzeitig der Ergänzung durch die Partnerin erkennen. Bei beiden machte die Körpersprache deutlich, wie sehr Musik aus der Persönlichkeit fließt.

Die ehemalige Schülerin am Kolleg, Florence Sitruk, inzwischen im Rang einer Professorin, hatte ihre Schülerin Rozenn Péron von der Genfer Hochschule für Musik mit nach St. Blasien gebracht, und überließ ihr, nebst dass sie mit ihr duettierte, auch Solostücke.

Ein Konzert wie dieses wäre in keinem Konzertsaal der Welt zu hören, schon deshalb, weil so viele Solisten für ein einziges Kammerkonzert, in dem die Zuhörerzahl naturgemäß begrenzt ist, für einen kommerziellen Konzertveranstalter kaum zu finanzieren wäre. Ausnahme wäre allenfalls das öffentlich rechtliche Fernsehen. Die neun Interpreten boten mit ihrer Programmauswahl eine einzigartige kammermusikalische Vielfalt: Weltniveau.

 

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