Kolleg St. Blasien

Presse - Archiv

 

Badische Zeitung vom Samstag, 28. März 2009

 

Aus Industrieruinen wird ein Ort der Bildung

 

ST. BLASIEN. Im März 1934 erfolgte der Umzug der Jesuitenschule Stella matutina aus der in Vorarlberg gelegenen Gemeinde Feldkirch in den Schwarzwald nach St. Blasien. Am Westhof des ehemaligen Benediktinerklosters fuhren am 20. März aus Österreich kommend zwanzig Lastwagen vor. Die großen Fahrzeuge waren mit Mobilar aller Art beladen, für das Internat und für die Schule.

Wenige Tage danach kamen die Patres und die Brüder aus der Feldkircher Jesuitenschule in ihre neue Wirkungsstätte im Albtal. 123 Jahren zuvor mussten Benediktiner das Tal verlassen. Ein Teil der Mönche blieb zusammen und diese Männer fanden nach einer langen Reisezeit in St. Paul in Kärnten eine neue Heimat.

In den Klostergebäuden wurden mehrere Industriebetriebe eingerichtet. St. Blasien wurde Fabrikgemeinde. Zuletzt war hier eine Spinnerei. 1932 wurde dieser Betrieb ein Opfer der Weltwirtschaftskrise und ein Jahr danach konnte das Anwesen der Jesuitenorden kaufen.

Innerhalb von wenigen Monaten, von September 1933 eben bis zum März 1934, wurden die großen Räume, in denen jahrzehntelang Maschinen ratterten und Fabrikarbeiter tätig waren, zu einer Schule mit Internat umgestaltet. Der örtliche Bauleiter war Architekt Erich Eckert.

Ein Glück war, dass der Herbst 1933 viele sonnige und somit warme Tage hatte, so dass an der Baustelle gut gearbeitet werden konnte. Es wurde von etlichen unliebsamen Überraschungen berichtet, "eine einzige Müllgrube" sei das Gelände gewesen. Bevor die Arbeiter an die eigentlichen Umbauarbeiten gehen konnten, musste zunächst der Gebäudekomplex geräumt und gereinigt werden.

Damals gab es noch zwei Mieter. Im Portalgebäude war der Betsaal der evangelischen Pfarrgemeinde und im Erdgeschoss des Nordflügels war der Kindergarten der Gemeinde untergebracht. Für sie mussten im Ort neue Räume gefunden werden.

In den Gemeinden des Schwarzwaldes ist es üblich, dass am Palmsonntag die Buben der Gemeinden große Palmen zur Weihe in die Kirche tragen. So auch in St. Blasien.

Am Palmsonntag 1934, es war der 25. März, zogen außer den Kindern auch dreißig Patres und Brüder mit Lorbeerzweigen in den Händen in die Kirche ein. Es war der erste Gottesdienst, den die gerade angekommenen Jesuiten im Dom des heiligen Blasius mit den Bürgern der Gemeinde feierten, es war der Anfang einer neuer Epoche für St. Blasien.

Der Abt von St. Paul, Richard Strelli, schrieb damals ein Grußwort an die Jesuiten in der Domstadt: "Möge unser altehrwürdiges Mutterstift, dessen glorreiche Traditionen zu übernehmen und fortzusetzen Gottes gütige Vorsehung ihre Hochwürdige Sozietät berufen hat, in seiner neuen Form der Bestimmung einer glücklichen Zukunft und neuen Blüte entgegengehen."

 

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