Kolleg St. Blasien

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Badische Zeitung vom Samstag, 14. März 2009

 

Mit 300 Schülern begann 1934 der Kollegsbetrieb

 

ST. BLASIEN. Die Räume des Kollegs St. Blasien wurden von März 1939 bis Kriegsende 1945 als Reservelazarett genutzt. Erst zu Ostern 1934 war das Kolleg eröffnet worden. 300 Schüler, davon 190 aus der alten Stella in Feldkirch, konnte Kollegsrektor Viktor Hugger in dem einstigen Benediktinerstift willkommen heißen. Doch die Freude der Kollegsleitung, der Schüler und deren Eltern dauerte nur kurze Zeit.

Schon ein Jahr nach der feierlichen Weihe der Schule und des Internats zeigte sich, dass die neuen Machthaber, die Nationalsozialisten, dem Jesuitenorden nicht wohlgesinnt waren. An den Wänden der Klostergänge wurden Hakenkreuze aufgemalt und es standen da auch Parolen wie "Tod den Jesuiten". Lehrer und Erzieher wurden auf übelste Weise schikaniert und der Schulbetrieb eingeschränkt.

Da erhielten die Jesuiten von St. Blasien die Mitteilung, dass von Staats wegen das Kolleg in Bad Godesberg geschlossen wurde. Im Februar 1936 kam es zur Verhaftung von Rektor Hugger, er wurde lange verhört und war fünf Wochen im Gefängnis in Waldshut. Nach seiner Freilassung wurde ihm jede Tätigkeit am Kolleg untersagt. Nie hat er erfahren, warum er verhaftet wurde. Für Lehrer und Schüler war dieser Zustand unerträglich. Am 9. März 1939 war die Mitteilung gekommen, mit der die 1934 gegebene Genehmigung der Schule aufgehoben wurde. In der Begründung hieß es: "Da die Voraussetzungen, unter denen die Genehmigung erteilt worden ist, heute nicht mehr als gegeben anzusehen sind".

Trotz Protesten des Erzbischofs Conrad Gröber musste der Schulbetrieb eingestellt werden. Den Patres wurde erlaubt, Mobilar, Bücher und Lehrmaterial im Franzosenbau zu verstauen, auch fanden hier einige der Brüder des Jesuitenordens eine Heimstätte. Einige der Lehrer wurden zum Militärdienst eingezogen, es gab andere, die in anderen Ländern neue seelsorgerische Aufgaben übernahmen. Pater Alois Grimm, der als Lehrer am Kolleg tätig war, ging nach Feldkirch. Dort wurde er verhaftet. Er kam vor den Volksgerichtshof in Berlin, wurde dort verurteilt und 1944 in Berlin-Brandenburg enthauptet. Die Schul- und Internatsräume in St. Blasien wurden Militärlazarett.

Über diese Zeit finden sich keine Angaben. Das Lazarett war der Sanitätsabteilung Donaueschingen unterstellt. Zu dieser Abteilung gehörten achtzehn Lazarette, sogenannte Sanitätsstaffeln, im südbadischen Raum.

Ein Hinweis fand sich in den Unterlagen der Sanitätsstaffel. Hier heißt es: "Im Oktober 1942 hatte das Reservelazarett St. Blasien 510 Krankenbetten." Einige der Brüder, die im Franzosenbau wohnten, fanden Arbeit in dem Lazarett.

 

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