Kolleg St. Blasien

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Badische Zeitung vom Mittwoch, 18. Februar 2009

 

"Streng aber gütig": Vor 120 Jahren wurde Otto Faller SJ geboren

 

ST. BLASIEN. Heute vor 120 Jahren wurde Pater Otto Faller geboren - nicht nur ein großer Theologe und Berater von Papst Pius XII, ein großer Jesuit und Provinzial der Oberdeutschen Jesuitenprovinz sondern auch der Vater des Jesuiten kollegs in St. Blasien, der nicht nur den Umzug von Feldkirch nach St. Blasien mit Macht betrieb sondern auch erster Schulleiter des Kollegs von 1934 bis zur Schließung durch die braunen Machthaber 1939 und dann wieder nach der Wiedereröffnung 1946 bis 1951 wurde.

Otto Faller war ein Kind der Region: Am 18. Februar 1889 wurde er in Saig als Sohn eines Holzhändlers geboren. Nach dem Abitur am Freiburger Bertholdgymnasium trat er im Oktober 1910 in Feldkirch dem Jesuitenorden bei - mit etwas Unbehagen seiner tiefgläubigen Eltern, die es lieber gesehen hätten, wenn Faller "normaler" Geistlicher geworden wäre, wie sich Klaus Faller, ein Neffe des Paters und langjährige Chef der Glashofsäge in St. Blasien, erinnert. Beirren ließ sich Otto Faller nicht, 1918 wurde er nach seinem theologischen Studium zum Priester geweiht. 1924 wurde er Professor für klassische Sprachen an der "Stella matutina", dem Jesuitenkolleg in Feldkirch.

Ein Glücksfall für St. Blasien, wie sich später zeigte, denn das Feldkircher Kolleg unterhielt eine deutsche Abteilung mit vielen deutschen Schülern, denen die Devisengesetzte des beginnenden nationalsozialistischen Regimes zum Verhängnis wurden. Die deutsche Abteilung musste ihre Pforten schließen - und zusammen mit dem badischen Zentrumsabgeordneten Albert Hackelsberger wurde Faller ein Verfechter der Verlegung nach St. Blasien in die zur Spinnerei zweckentfremdeten Räume der ehemaligen Benediktinerabtei. Im Herbst 1934 erfolgte der Umzug und Otto Faller wurde erster Schulleiter des Jesuitenkollegs in St. Blasien. Lange konnte sich das Kolleg gegen die nationalsozialistische Willkürherrschaft allerdings nicht halten, bereits im März 1939 wurde die Schließung verfügt.

Für Pater Faller Zeit für eine neue Aufgabe: Sein Orden schickte ihn nach Rom, wo er zunächst mit einer Professur an der Gregoriana betraut wurde, der ebenfalls im März 1934 neu gewählte Papst Pius XII machte ihn zum Leiter des Päpstlichen Flüchtlingswerkes. Papst Pius lernte den Jesuitenpater und Theologen aus Deutschland schätzen und so wurde Otto Faller ein enger Berater des Papstes, der ihn auch damit beauftragte, mit einer wissenschaftlichen Untersuchung das 1950 verkündeten Dogma zur leiblichen Aufnahme in den Himmel mit vorzubereiten.

Die Beendigung dieser Aufgabe fiel in die Monate nach dem Kriegsende, das Otto Faller wieder nach Deutschland führte, die Pläne zur Wiedereröffnung des Kollegs in St. Blasien im Gepäck. Ein Vorhaben, dass auf Bedenken des eigenen Ordens stieß aber von Papst Pius unterstützt wurde. Pater Faller setzte sich durch und am 1. Mai1946 wurde das Kolleg St. Blasien wiedereröffnet - und nicht zuletzt durch die Unterstützung aus Rom mit Zuwendungen gerade auch mit Lebensmitteln in den ersten Jahren überlebensfähig erhalten. Der Name Otto Faller war in den Jahren danach nicht nur mit den Geschicken des Kollegs, dessen Leiter er war, eng verknüpft, er wurde auch einer der Mitverfasser des Badischen Privatschulgesetzes. 1951 sagte Otto Faller St. Blasien adieu - er wurde zum Provinzial der Oberdeutschen Provinz der Jesuiten mit Sitz in München berufen. Aus den Augen hieß nicht aus dem Sinn, auch in seiner neuen Funktion war St. Blasien und dem Kolleg seine Aufmerksamkeit und Unterstützung sicher. Nach Beendigung seiner Tätigkeit in München kehrte er 1961 ans Kolleg zurück, wo er sich in seinen letzten Lebensjahren ganz der Erforschung der Werke des Heiligen Ambrosius widmete. Am 16. Mai 1971 starb Otto Faller in St. Blasien, 1967 war ihm mit dem Bundesverdienstkreuz auch noch eine weltliche Ehrung zuteil geworden.

"Streng aber gütig" meint Klaus Faller zum Wesen seines Onkels, der in seinen letzten Jahren in St. Blasien ganz Familienmittelpunkt war. "Ich bedaure nur, ihn viele Dinge nicht gefragt zu haben", fügt er ein wenig traurig an und freut sichaber, dass der 120. Geburtstag seines Onkels mit dem 75. Geburtstag "seines" Kollegs gefeiert werden kann.

 

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