Kolleg St. Blasien

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Badische Zeitung vom Freitag, 16. Januar 2009

 

Zentrumsabgeordneter Albert Hackelsberger vermittelte Kloster

 

ST. BLASIEN. In diesem Jahr wird eines bedeutsamen Ereignisses für St. Blasien gedacht: Vor 75 Jahren hat der Jesuitenorden das Gebäude der ehemaligen Spinnerei St. Blasien gekauft. Es wird dabei immer wieder der Name Albert Hackelsberger genannt, er hatte wesentlichen Anteil am Zustandekommen des Kaufvertrags. Wer war dieser Mann, der sich damals energisch dafür einsetzte, dass die Jesuiten in den Schwarzwald kamen und das Kolleg St. Blasien gegründet wurde?

Albert Hackelsberger wurde am 17. Oktober 1893 in Poikam, im Kreis Kelheim (Bayern) geboren. Er entstammte einer seit Jahrhunderten in Bayern ansässigen Familie. Der Erste Weltkrieg führte ihn nach Baden und so kam es, dass er nach Abschluss der Schulzeit 1914 in das 3. Badische Dragonerregiment als Offiziersanwärter eintrat. Von 1915 bis 1918 war der aktiver Offizier, er war Träger viele militärischer Auszeichnungen. Im Zug der Demobilisierung badischer Truppen gelangte er als Ordonanzoffizier eines Stabes nach Lörrach. Wegen seines ausgleichenden Einflusses als Vorsitzender des Soldatenrates der badischen Regierung wurde er 1919 als Kommandeur des Grenzschutzes West des Badischen Volksheeres eingesetzt. 1920 heiratete Hackelsberger Helene von Eyck, die zweite Tochter des Zentrumsabgeordneten, badischen Staatsrats und seit 1900 Mitinhaber der Firma Weck in Öflingen, Georg von Eyck.


Studium in Freiburg und Heidelberg


Hackelsberger trat nach der Eheschließung in den Betrieb seines Schwiegervaters ein, neben seine Tätigkeit dort studierte er an den Universitäten Freiburg und Heidelberg, wo er zum Dr. phil. promovierte. Nach diesem Abschluss studierte er noch in Würzburg Jura und hat dort 1925 Dr. jur. urtiusque promoviert. Hackelsberger erwarb sich außerdem praktische kaufmännische Kenntnisse in verschiedenen Betrieben und so kam es, dass er nach Abschluss seiner Studien die Aufgabe seines Schwiegervaters in der weit bekannten Konservenfabrik übernahm. Durch Kauf anderer größerer Unternehmen entwickelte sich die Firma Weck unter seiner Leitung zu einem der größten Glaskonzerne Europas.

1932 wurde Hackelsberger für die Zentrumspartei in den Reichstag gewählt. Er gehörte dem sogenannten Wirtschaftsflügel an. Im Reichstag war er als Vertreter der kleineren und mittleren Betriebe geschätzt. Durch die Weltwirtschaftkrise kamen viele Betriebe im südbadischen Raum in finanzielle Schwierigkeiten und sie mussten viele Mitarbeiter entlassen. Mit finanziellen Transaktionen, vor allem mit Schweizer Kapitalien, konnte er zahlreiche Unternehmen vor dem Zusammenbruch retten und erreichte die Wiederbeschäftigung vieler Menschen im Wiesental und am Oberrhein.

Für die Spinnerei St.Blasien aber gab es keine Rettung. Hackelsberger erfährt bei einer Unterredung mit dem Reichsinnenminister Frick, dass das Jesuitenkolleg im vorarlbergischen Feldkirch aus devisenrechtlichen Gründen aufgelöst werden muss. Sofort reagierte der Abgeordnete, dort war eine Schule, die vor der Auflösung stand, und im Schwarzwald ein ehemaliges klösterliches Gebäude. Es kam zu einer Unterredung mit dem Provinzial der Jesuiten, Haysler, und Hackelsberger fand in Erzbischof Konrad Gröber einen Freund und Befürworter dieses Vorhabens. Am 3. Juni 1933 reiste Hackelsberger nach Feldkirch, um dort mit der Schulleitung zu sprechen und er nahm auch schon gleich Pläne von dem Haus in St. Blasien mit. Er konnte überzeugen und schon wenige Monate danach, am 14. August, kam es zur Unterzeichnung des Kaufvertrags.

Nach diesem für ihn so erfreulichen Abschluss, begann für den Politiker Hackelsberger im Jahre 1933 eine schwere Zeit. Die Zentrumspartei wurde durch die neuen Machthaber verboten. Einer der stellvertretenden Vorsitzenden war Albert Hackelsberger, er wurde gar mit der Auflösung der Partei betraut. Energisch setzte er sich in persönlichen Gesprächen mit Hitler dafür ein, dass die Fortbeschäftigung der katholischen Beamten und Rechte für das katholische Schul- und Vereinswesen erhalten bleibe.

Von 1934 an wurde Hackelsberger von der NSDP bespitzelt. Hackelsberger machte keinen Hehl aus seiner politischen Einstellung, dies führte zu einer Feindschaft zu Hermann Göring und besonders zu dem badischen Gauleiter Robert Wagner.

Am 20. September 1938 wurde Hackelsberger auf dem Hof seines Sommer sitzes Schloss Tutzing am Starnberger See von der Gestapo verhaftet. Er kam nach einem Zwischenaufenthalt in München ins Gefängnis nach Freiburg im Breisgau. Nach zweijähriger Einzelhaft und zahllosen Gestapoverhören starb Albert Hackelsberger am 25. September 1940 in Freiburg, ohne dass Anklage gegen ihn erhoben wurde.

 

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