Kolleg St. Blasien

Presse - Archiv

 

Badische Zeitung vom Montag, 1. September 2008

 

1933 wurde Geschichte geschrieben

 

Vor 75 Jahren wurde die Oberdeutsche Ordensprovinz der Jesuiten Eigentümerin fast aller Gebäude des ehemaligen Klosters

 

Von unserem Mitarbeiter Franz Hilger

 

ST. BLASIEN. Vor 75 Jahren wurde eine für die Geschichte von St. Blasien wichtige Entscheidung getroffen. Am 16. August 1933 kam es zur Unterzeichnung des Kaufvertrags zwischen der Oberdeutschen Ordensprovinz der Jesuiten und der Spinnerei St. Blasien in Liquidation. An diesem Tag gingen fast sämtliche Gebäude des einst so bekannten Benediktinerklosters in den Besitz des Jesuitenordens. Für die Gemeinde St. Blasien begann eine neue Epoche.

 

Schon im 10. Jahrhundert siedelten sich Mönche in dem völlig abgelegenen Albtal an, sie gründeten eine Gemeinschaft und schlossen sich dem Benediktinerorden an. Im Verlauf von über 800 Jahren entwickelte sich das Kloster zu einer der größten und einflussreichsten im heutigen südbadischen Raum. Zum bedeutendsten Bauwerk wurde die Kuppelkirche des heiligen Blasius. Ein Gebäude, das alljährlich von Tausenden von Besuchern bestaunt wird.

 

Zum Ende des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zur Säkularisation, zur Enteignung des klösterlichen Besitzes. Die Mönche von St. Blasien waren eine der letzten im Land, die ihre Heimstätte verlassen mussten. Im Jahre 1808 sind sie ausgezogen, ein Teil der Männer ging zusammen mit dem Abt nach Österreich und sie begründeten dort ein neues Kloster. Einige der Konventualen blieben in Deutschland, sie übernahmen Pfarrstellen oder wurden Lehrer an Gymnasien und an Universitäten. Die Räume, in denen die Mönche lebten und arbeiteten, waren nun leer. Der badische Staat war der neue Besitzer, er bemühte sich, die Gebäude zu verkaufen oder zu verpachten. 1809 kamen zwei Ingenieure nach St. Blasien, in einem Teil des Gebäudes entstand eine Gewehrfabrik und im anderen eine Spinnereimaschinenfabrik. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte kam zu verschiedenen Besitzerwechseln. 1845 wurde die Firma Spinnerei St. Blasien gegründet. 1930 ging diese in Konkurs und 1933 wurde die Fabrik verkauft.

 

Wie kam es nun, dass in einer politisch recht schwierigen Zeit Jesuiten im Schwarzwald diesen Gebäudekomplex zur Einrichtung einer Schule mit Internat erwerben konnten? 1856 wurde in Feldkirch in Vorarlberg in einer alten Kaserne ein Jesuitenkolleg gegründet, das 1898 die staatliche Anerkennung durch Österreich und 1930 die staatliche Anerkennung durch das Deutsche Reich erhielt. 1932/33 besuchten 498 Schüler diese Schule. "Schon seit Jahren bestand der Plan neben Feldkirch auch in Deutschland selbst ein Kolleg zu eröffnen, es schien jetzt durch die Not der Zeit gekommen sein" so meinte der damalige Rektor der Schule, Pater Otto Faller. Mit "Not" meinte er die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933.

 

Anerkennung als Schule wurde nach nur sechs Jahren widerrufen

 

Der Zentrumspolitiker Albert Hackelsberger, Reichstagsabgeordneter aus dem badischen Öflingen, hatte zu der Zeit zwei Söhne in dem Jesuitenkolleg in Feldkirch. Er war von der badischen Regierung beauftragt, sich um die in Konkurs gegangene Spinnerei zu kümmern. In einem Gespräch mit dem Reichsinnenminister Frick erfährt Hackelsberger, dass das Kolleg in Feldkirch aus devisenerechtlichen Gründen aufgelöst werden soll. Hackelsberger reagierte sofort und setzte sich mit dem Erzbischof in Freiburg in Verbindung und setzte sich dafür ein, dass das Kolleg von Feldkirch nach St. Blasien verlegt wird. Er reist im Juni 1933 nach Vorarlberg und danach ging alles sehr schnell. Der Rektor der Schule fuhr schon bald nach der Unterredung mit Hackelsberger nach München und unterbreitete dem Provinzial, Pater Franz Xaver Hayler, die Pläne für den Kauf und die Umsiedlung der Schule nach Deutschland. Die Zeit drängte denn zum Schulbeginn im April 1934 sollte die Schule fertig sein. Es wurde ein Finanzierungsplan erstellt und durch Vermittlung von Freunden konnten günstige Kredite über Schweizer Banken aufgenommen werden. "Ein wenig mit schwerem Herzen" sagte der Provinzial am 14. August zu und zwei Tage wurde der Kaufvertrag unterzeichnet.

 

Schon wenige Wochen danach begannen die Umbauarbeiten, es waren mitunter 200 Bauarbeiter vom Firmen aus St.Blasien und aus der Umgebung im Einsatz. Innerhalb von nur wenigen Monaten wurde aus einer Fabrik, in der über 100 Jahre große Maschinen standen, eine Schule mit Internat. Bereits 1939 entzog das NS-Regime dem Kolleg in St. Blasien die wieder die staatliche Anerkennung als Schule und Internat. Während das Gebäude in Feldkirch 1938 zur Reichsfinanzschule wurde, konnte das Kolleg in St. Blasien den Schulbetrieb 1946 wieder aufnehmen.

 

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